Schwere Krankheit: Egoismus
Egoismus
Egoismus ist das übermäßige Streben nach eigenen Vorteilen und Interessen.
Wenn man gewisse Menschen genauer betrachtet, fragt man sich, woher das kommen mag und vor allem warum es dazu kam. Es muss ja alles eine Ursache haben; die Wirkungen zeigen sich ja. Ob und wie der/die Betroffene aus dieser Schleife je wieder raus kommen kann ist dann di nächste Frage.
Menschen mögen Egoisten nicht. Egoisten ecken an; und wer schon mal gegen eine Ecke gelaufen ist weiß, dass anecken gar nicht gut tut. Genau dieses Anecken verstärkt Egoismus, kann aber auch die wohl größte Gnade und Chance für den Egoisten sein, aufzuwachen.
Traurig bleibt, dass sich das wie ein Schimmelpilz möglicherweise lebenslang ins Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen hängt und ihn/sie glauben lässt, dass mit ihm alles in Ordnung sei und dass es nur die anderen und die Welt sind, mit denen was nicht stimmt.
Zur Entstehung:
Egoismus kann durch verschiedene psychologische, soziale und biologische Faktoren entstehen.
1. Evolutionäre Perspektive:
– Selbsterhaltung: Das Streben nach eigenen Vorteilen und das Schützen der eigenen Ressourcen ist jedenfalls hier im Westen ein Überlebensmechanismus. Individuen, die ihre eigenen Interessen schützen und verfolgen, haben bessere Chancen zu überleben und ihre Gene weiterzugeben.
– Reproduktionsvorteile: Egoistisches Verhalten kann sicherstellen, dass die eigenen Nachkommen besser versorgt und geschützt werden.
2. Psychologische Faktoren:
– Selbstwertgefühl und Unsicherheit: Menschen mit geringem Selbstwertgefühl oder Unsicherheiten neigen dazu, egoistisch zu handeln, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und sich selbst zu schützen.
– Erfahrungen und Erziehung: Menschen, die in einer Umgebung aufgewachsen sind, in der Selbstinteresse gefördert wurde oder in der Ressourcen knapp waren, können dazu neigen, egoistischer zu handeln.
3. Soziale und kulturelle Einflüsse:
– Kulturelle Werte: In Gesellschaften, die Individualismus und persönlichen Erfolg hoch schätzen, kann Egoismus stärker ausgeprägt sein als in Gemeinschaften, die kollektive Werte und Kooperation betonen.
– Soziale Konditionierung: Normen und Erwartungen der Gesellschaft, die egoistisches Verhalten belohnen, tragen bei zur Entwicklung von Egoismus.
4. Neurologische und biologische Faktoren:
– Gehirnstrukturen: Bestimmte Hirnregionen und Neurotransmitter beeinflussen egoistisches Verhalten. Belohnungszentren im Gehirn werden aktiviert, wenn Menschen egoistisch handeln (Studie z.B. Study on Neural Correlates of Selfish Behavior, 2004)
Egoistisches Handeln ruft direkt positive neuronale Reaktionen hervor.
Bleibt nur mehr die Frage: wie kann der betroffene Mensch erkennen, was los ist und wie kommt er da raus?
Ohne Selbstreflexion, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, sich zu verbessern geht gar nichts.
Hier sind einige Anzeichen, die darauf hinweisen können, dass man egoistisch ist, und Schritte, um dieses Verhalten zu ändern:
Anzeichen für egoistisches Verhalten:
1. Unfähigkeit zuzuhören:
– Wenn du oft Gespräche unterbrichst oder das Gespräch immer wieder auf dich selbst lenkst, könnte das ein Zeichen für Egoismus sein.
2. Mangel an Empathie:
– Schwierigkeiten, die Gefühle und Perspektiven anderer zu verstehen und nachzuvollziehen.
3. Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen:
– Wenn du ständig nach Aufmerksamkeit suchst und Anerkennung erwartest, selbst in Situationen, in denen es um andere gehen sollte.
4. Ignorieren der Bedürfnisse anderer:
– Wenn du selten Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche anderer nimmst und deine eigenen immer in den Vordergrund stellst.
5. Nicht teilen können:
– Wenn es dir schwerfällt, Ressourcen oder Zeit mit anderen zu teilen.
6. Manipulatives Verhalten:
– Wenn du andere oft zu deinem Vorteil manipulierst oder ausnutzt.
Schritte zur Veränderung:
1. Selbstreflexion und Ehrlichkeit:
– Führe regelmäßig Selbstreflexion durch und sei ehrlich zu dir selbst über deine Handlungen und Motive.
Frage dich, ob deine Entscheidungen und Handlungen auch im Interesse anderer liegen.
2. Empathie entwickeln:
– Versuche, dich in die Lage anderer zu versetzen und ihre Perspektiven zu verstehen. Übe aktives Zuhören und achte auf nonverbale Signale.
3. Feedback einholen:
– Frage Freunde, Familie oder Kollegen nach ehrlichem Feedback über dein Verhalten. Nimm konstruktive Kritik an und arbeite daran, dich zu verbessern.
4. Achtsamkeit praktizieren:
– Übe Achtsamkeit, um bewusster und präsenter im Moment zu sein. Dies kann dir helfen, weniger impulsiv zu handeln und mehr auf die Bedürfnisse anderer einzugehen.
5. Altruistische Handlungen:
– Mache bewusst altruistische Handlungen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Dies kann dir helfen, Freude daran zu finden, anderen zu helfen und deine Einstellung zu ändern.
6. Verantwortung übernehmen:
– Übernimm Verantwortung für deine Fehler und entschuldige dich bei denen, die du möglicherweise verletzt hast. Zeige, dass du bereit bist, an dir zu arbeiten.
7. Professionelle Hilfe suchen:
– Wenn es dir schwerfällt, deine Verhaltensmuster allein zu ändern, kann die Unterstützung durch einen Therapeuten oder Coach hilfreich sein.
Praktische Übungen:
1.Tägliches Dankbarkeitstagebuch:
– Schreibe täglich drei Dinge auf, für die du dankbar bist, und achte darauf, wie andere dazu beigetragen haben.
2. Zeit für andere:
– Plane regelmäßig Zeit ein, um anderen zu helfen, sei es durch Freiwilligenarbeit oder kleine Gefälligkeiten im Alltag.
3. Positives Verstärken:
– Lobe und schätze die Handlungen und Bemühungen anderer und erkenne ihre Beiträge an.
Nur wer sich bemüht, egoistische Verhaltensweisen zu erkennen und aktiv daran zu arbeiten, das Verhalten zu ändern, kann langfristig bessere Beziehungen aufbauen und ein erfüllteres Leben führen.
Und noch eins: Die Gefahr, yogisches und spirituelles Wissen als Futter für den nicht erkannten Egoismus zu verwenden:
Yogisches und spirituelles Wissen kann/soll/ muss zu tiefgreifenden positiven Veränderungen im Leben eines Menschen führen.Tut es das nicht, muss sich der Betroffene fragen, warum das so ist.
Es besteht nämlich die Gefahr, dass dieses frei erhältliche Wissen unbewusst den eigenen Egoismus verstärkt, wenn es falsch angewendet oder interpretiert wird. Diese Gefahr ist besonders groß, wenn das Streben nach spirituellem Wissen nicht von echter Selbstreflexion und Demut begleitet wird.
Hier sind einige Aspekte, wie spirituelles Wissen zum Futter für nicht erkannten Egoismus werden kann:
1. Spiritueller Stolz und Überheblichkeit
Menschen, die sich intensiv mit Yoga und Spiritualität beschäftigen, können das Gefühl entwickeln, spirituell überlegen zu sein.
Dieser spirituelle Stolz kann sich in verschiedenen Formen zeigen:
– Überheblichkeit: Glaube, dass man aufgrund seines Wissens oder seiner Praxis anderen überlegen ist.
– Urteilen: Andere verurteilen, die einen anderen Weg gehen oder nicht denselben spirituellen Fortschritt erreicht haben.
– Exklusivität: Sich von anderen abgrenzen und eine „Wir gegen die“ Mentalität entwickeln.
2. Instrumentalisierung spiritueller Praktiken
Spirituelle Praktiken wie Meditation, Yoga oder Rituale können als Mittel zur Selbstverherrlichung oder zum Erreichen weltlicher Ziele missbraucht werden:
– Selbstverherrlichung: Die eigenen spirituellen Erfahrungen und Fortschritte zur Schau stellen, um Bewunderung oder Anerkennung zu erhalten.
– Manipulation: Spirituelle Einsichten nutzen, um andere zu manipulieren oder zu kontrollieren.
3. Ego als spiritueller Lehrer
Manchmal kann das Ego selbst als „spiritueller Lehrer“ auftreten und den Suchenden in die Irre führen:
– Selbsttäuschung: Glauben, dass man erleuchtet oder besonders auserwählt ist, während man in Wahrheit von seinem Ego geleitet wird.
– Illusion der Überlegenheit: Das Gefühl, dass man keine weiteren Lektionen mehr lernen muss, weil man bereits „alles weiß“.
4. Fehlende Integration von Wissen
Wissen allein ist nicht genug. Ohne die richtige Integration und Anwendung im Alltag kann spirituelles Wissen hohl und oberflächlich bleiben:
– Praktische Anwendung: Wenn das erlernte Wissen nicht in echte Mitmenschlichkeit und ethisches Verhalten umgesetzt wird.
– Innere Transformation: Fehlende tiefere innere Transformation und Veränderung der grundlegenden Charaktereigenschaften.
Strategien zur Vermeidung dieser Fallen
1. Selbstreflexion und Demut:
– Regelmäßige Selbstprüfung und das Eingestehen eigener Fehler und Schwächen. Die Erkenntnis, dass Spiritualität ein lebenslanger Lernprozess ist.
2. Achtsamkeit und Bewusstsein:
– Ständige Wachsamkeit gegenüber den eigenen Motiven und Handlungen. Achtsamkeitspraxis kann helfen, egoistische Tendenzen zu erkennen und zu korrigieren.
3. Ethisches Verhalten:
– Betonung auf ethischem Verhalten und Mitgefühl im Alltag. Spirituelles Wissen sollte sich in Taten der Freundlichkeit und des Dienens manifestieren.
4. Authentische Lehrer und Gemeinschaft:
– Sich von authentischen Lehrern und spirituellen Gemeinschaften leiten lassen, die echte Demut und Mitmenschlichkeit vorleben.
5. Dienen statt nehmen:
– Den Fokus vom eigenen spirituellen Fortschritt auf das Dienen und Helfen anderer verlagern. Praktiken des selbstlosen Dienens (Seva) können das Ego mindern.
Fazit
Die Anwendung yogischen und spirituellen Wissens erfordert eine tiefe, ehrliche Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Indem man sich der Fallen des Egoismus bewusst ist und aktiv daran arbeitet, diesen zu begegnen, kann spirituelles Wissen tatsächlich zu echter innerer Transformation und Mitmenschlichkeit führen.